Tierkliniken in Ketten: Das Geschäft mit Hund und Katze

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Die Gesundheit des Tieres im Fokus – das sollte die oberste Priorität von Tierärzten und in Tierkliniken sein. Angesichts zahlreicher großer Ketten, die auf den deutschen Markt drängen und unabhängige Kliniken und Praxen aufkaufen, werden diesbezüglich allerdings Zweifel laut. 

„Deutschlands Tiermedizin wird zum Schlachtfeld der Corporates!“, schreibt etwa Tierarzt Ralph Rückert auf seinem Blog. Tiermedizin und Tierfutter: Das sei schließlich eine gewinnbringende Synergie.

So haben sich die beiden großen Player Mars – mit Tierfuttermarken wie Pedigree, Sheba oder Frolic – und Nestlé – unter anderem Purina Beneful, Felix und Gourmet – bei AniCura beziehungsweise IVC Evidensia eingekauft. Die schwedischen Unternehmen betreiben jeweils ein Netz aus Hunderten Tierkliniken in ganz Europa.


In Deutschland und der Schweiz gehören derzeit 26 Kliniken zu IVC Evidensia, von AniCura gibt es bislang mehr als 30 Standorte in Deutschland. Im Heimatland Schweden gehören mittlerweile fast alle Tierarztpraxen und Kliniken zu der Kette.

Ralph Rückert kritisiert so eine Monopolstellung. Viele Klinikleiter und Tierärzte könnten bei den oftmals großzügigen Angeboten der Ketten allerdings nicht widerstehen. Zumal ihnen häufig der Nachwuchs fehle, der von Nachtschichten und eigenen Praxen lieber die Finger lasse.
Tiermedizin ist ein gutes Geschäft – das erkennen auch Unternehmen

„Tiermedizin an sich ist bei vernünftiger Unternehmensführung ein gutes Geschäft und erzielt Gewinnmargen, bei denen Konsumgüterkonzerne glänzende Augen bekommen. Und diese Margen lassen sich durch straffe Organisation und Ausnützung von Synergieeffekten auch noch deutlich steigern“, schreibt Ralph Rückert, der eine Kleintierpraxis bei Ulm führt. Das Streben nach Gewinn müsse aber immer einer medizinischen Ethik untergeordnet werden, fordert er.

Der freie Tierarzt befürchtet, dass die Konzerne, die hinter Dutzenden, europaweit sogar hinter Hunderten Kliniken stehen, stattdessen eher den Profit im Sinn haben. Auch sei fraglich, ob die Kliniken weiterhin neutral bei der Futtermittelberatung sein können, wenn ihnen die Hersteller bestimmter Marken im Nacken sitzen.

Die Investoren beteuern natürlich, dass die tiermedizinischen Entscheidungen ausschließlich in den Händen des Tierarztes liegen. Gewinn soll durch einheitliche Abläufe und günstigere Einkaufspreise wie Arzneimittel und Equipment generiert werden.
Nur noch Tierklinik-Ketten? Das könnten die Folgen sein

Noch merken Tierbesitzer von den Änderungen in den übernommenen Kliniken wenig. Oft würden sich nämlich die bisherigen Gründer oder Inhaber verpflichten, mehrere Jahre weiterzuarbeiten. Das berichtet der „Spiegel“. Langfristig habe der Wechsel vom selbstständigen Tierarzt zum Angestellten einer gewinnorientierten GmbH allerdings Folgen.

Positiv für Tierhalter: In ländlichen Regionen können Praxen und Kliniken, die vom Aus bedroht sind, gerettet werden. Auch eine Rundum-Versorgung dank Nacht- und Wochenenddiensten soll dadurch weiterhin gewährleistet werden. Für diese sogenannten Notdienste werden nun bereits die Gebühren erhöht, da sie sich für viele Tierärzte aufgrund des Personalaufwandes kaum lohnen.

Und auch darüber hinaus dürften die Preise der Ketten künftig massiv angezogen werden. Zwar berechnen die Tierärzte in Deutschland für ihre Leistungen nach der Gebührenordnung den ein- bis dreifachen Satz. Für den Notdienst müssen sie den zwei- bis vierfachen Satz berechnen, dazu kommt neuerdings eine Pauschale von knapp 60 Euro.
Schere zwischen arm und reich geht auch bei Tierhaltern weiter auseinander

Diesen Handlungsspielraum würden allerdings kaum Tierärzte ausnutzen, so Ralph Rückert gegenüber dem „Spiegel“. Im Schnitt müssten Tierhalter den 1,3-fachen Satz zahlen, für den Notdienst den zweifachen Satz. Die großen Unternehmen dürften allerdings keine Hemmungen haben, die Gebührenverordnung künftig komplett auszuschöpfen und maximale Sätze zu erheben.

Eine Möglichkeit, sich dagegen zu wappnen, sind Tierkrankenversicherungen. Doch auch die sind nicht gerade günstig, einige nehmen sogar keine älteren Tiere auf.

Steigende Tierarztkosten könnten einige Menschen mit geringerem Einkommen also davon abhalten, Tiere zu halten, fürchtet Ralph Rückert. „Die Schere zwischen Tierbesitzern mit hohem und eher niedrigem Einkommen wird in den nächsten Jahren deutlich weiter aufgehen.“

Um den großen Unternehmen die Stirn zu bieten, hat er mit einigen Kolleginnen und Kollegen die Gesellschaft für Freie Tiermedizin (GFK) gegründet. Der „Verbund freier und unabhängiger, inhabergeführter Tierarztpraxen und Tierkliniken“ will sich für eine „zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Tiermedizin in tierärztlicher Hand“ einsetzen.

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